Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Großneffe von Dietrich Bonhoeffer
Foto: Alex Seidelmann
„Nicht feiern. Verantworten.“
Wie Dietrich Bonhoeffer den Reformationstag in Frage stellte
Vortrag und Gespräch mit Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Großneffe von Dietrich Bonhoeffer, am 30. Oktober 2026 in der Ev. Kirche Wiehl
Reformationstag – für die meisten ein Tag der Zugehörigkeit. Ein Tag, an dem sich evangelische Christinnen und Christen ihrer Konfession vergewissern, sie feiern, sich zu ihr bekennen. Dietrich Bonhoeffer hätte diesem Selbstverständnis widersprochen.
Herbst 1932, Berlin: Wenige Monate vor der nationalsozialistischen Machtergreifung steigt ein damals 26-jähriger Pfarrer auf die Kanzel und sagt seiner eigenen Kirche unbequeme Wahrheiten. Er warnt, statt zu gratulieren. Er spricht von der "zwölften Stunde" der evangelischen Kirche – von einer Zeit, die keine Selbstfeier mehr erlaube, sondern Entscheidung verlange. Feiern, repräsentieren, Einfluss gewinnen, so Bonhoeffer, seien zweit- und drittrangige Werke. Nicht die ersten. Ein Satz, der 1932 unbequem war – und es 2026 wieder ist.
Was Bonhoeffer damals meinte, und was das mit einer Kirche zu tun hat, die heute erneut um ihre Rolle in der Gesellschaft ringt, darüber spricht am Freitag, 30. Oktober 2026, um 19:30 Uhr Pfarrer Mathias Bonhoeffer in der Ev. Kirche Wiehl, Hauptstraße. Er ist Großneffe des 1945 im KZ Flossenbürg ermordeten Theologen und Pfarrer an der Kartäuserkirche in Köln – und kennt die Last und den Anspruch dieses Namens aus eigenem Erleben.
In seinem Impulsvortrag ordnet er die Reformationstagspredigt von 1932 theologisch und biografisch ein: Wie hängt Bonhoeffers Kritik an der kirchlichen Selbstfeier mit seinem später berühmt gewordenen Begriff der "teuren Gnade" zusammen – jener Gnade, die etwas kostet, weil sie zur Nachfolge ruft, statt sich billig anzueignen? Und was würde Bonhoeffer heute sagen, einer Kirche gegenüber, die mit sinkenden Mitgliederzahlen und wachsendem Rechtfertigungsdruck kämpft?
Im anschließenden Gespräch wird es auch persönlich: Was hat der Name Bonhoeffer seinem Träger genommen – und was gegeben? Wo sieht ein Pfarrer im Jahr 2026 selbst die Versuchung zur Selbstfeier, die schon sein Großonkel kritisierte? Und lässt sich der Anspruch von 1932 – "nicht feiern, sondern verantworten" – heute überhaupt einlösen?
Der Abend verspricht keine historische Rückschau, sondern eine Provokation mit Gegenwartsbezug: eine Einladung, den Reformationstag nicht als Fest der Selbstgewissheit zu begehen, sondern als Anlass zur kritischen Selbstprüfung.
Veranstaltungsdetails:
Datum/Uhrzeit: Freitag, 30. Oktober 2026, 19:30 Uhr
Ort: Kirche Wiehl, Hauptstraße
Referent: Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Kartäuserkirche Köln
Veranstalter: Christen für Wiehl, Bildungswerk Oberberg
Eintritt: frei, um eine Spende wird gebeten
Rückfragen: Dr. Bernhard Wunder | Tel. 02202 / 9363967 |
Letzte Bearbeitung: 06.08.2026